Babybäuche von Lilly-ART

Babybäuche von Lilly-ART
Ein kleiner Einblick in meine Werke

Samstag, 7. März 2015

Erfahrungsbericht Geburt


Mein kleiner Erfahrungsbericht zu  Geburt meines Sohnes 


Das hier ist ein sehr persönlicher Post. Am Post habe ich über mehrere Monate immer mal wieder geschrieben. Heute, am 7.3.2015 werde ich ihn veröffentlichen.
Am 8. Oktober 2014 habe ich auf meiner Facebookseite einen Link veröffentlicht, in dem es um eine neue Methode, der Kaisergeburt geht. Ich habe euch dazu den Bericht auf  Eltern.de: verlinkt. Es entstand eine sehr rege Diskussion..."Für gegen Wider", die ich gern zum Anlass nehmen möchte, über meine beiden Geburten zu berichten.


Sicher wird der ein oder andere es nicht lesen wollen, dann mache diesen Bericht jetzt aus, andere könnten es interessieren. Es kann auch sein, dass Schwangere, die immer noch auf ihr süßes Wunder warten, Angst vor ihrer Geburt bekommen. Das ist unbegründet. Jede Geburt ist komplett anders. Auch eine zweite oder dritte Geburt verläuft oft ganz anders als eure Erste.

Nichts ist planbar

Ich freute mich auf meine Babys, genoss die Schwangerschaften. Angst vor der Geburt katte ich keine. Weder bei der ersten Schwangerschaft im Jahr 1090 noch bei der zweiten, 2006. Es würde nicht so viele glückliche Familien geben, so viele Mütter, wenn man es nicht durchstehen konnte. 
In meiner ersten Schwangerschaft habe ich keinen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Ich habe im Vorfeld einiges gelesen und war überzeugt, dass ich keine weiteren Informationen brauche. Und das, von dem mir Freundinnen über ihre Kurse berichteten, war eh nichts für mich.
 In beiden Fällen hatte ich mir vorher nicht sagen lassen, was es wird. Zum einen waren 1990 die Vorhersagen noch oft fehlerhaft, zum anderen wollte ich mir die Überraschung nicht nehmen lassen.
Als Geburtstermin wurde mir der 28.03. berechnet, aber ich hatte da meine Zweifel. Mir wurde gesagt, ich hätte mich am Stichtag in der Klinik zu melden, um das Baby zu bekommen ;-) Aber "he?" Welches Baby ist schon pünktlich und der 28.3. geht doch wohl bis Mitternacht, oder? Also ging ich abends noch mal heiß baden und legte mich schlafen. Nichts passierte...
Am nächsten Morgen machte ich mich dann, "beladen" mit einem kleinen Beutelchen und meinem Schwangerschaftsausweis mit dem Bus auf, in die Klinik zu fahren. Meiner Freundin(die ihr Baby in Neubrandenburg bekam) erging es ähnlich. Ihr Sohn ließ sich etwa 2 Wochen länger Zeit und sie sollte sich alle 2 Tage in der Klink vorstellen, um zu sehen, ob es Muter und Kind gut geht.

Alles kommt anders

Aber nicht bei mir, denn meine Geburtsklinik war Dessau! So erhielt ich meinem ersten Rüffel, warum ich denn nicht schon gestern erschienen bin und den zweiten, weil ich keine Kliniktasche mit hatte. Ich dürfe nämlich nicht gehen, bevor ich nicht mein Baby hätte.
Zähneknirschen zog ich also in ein "wunderschön gemütliches" 4-Bettzimmer ein, ließ mir meine Kliniktasche bringen und wartete auf die Dinge, die da kommen würden...
Irgendwann wurde ich noch einmal untersucht, mit Holzrohr abgehört, die Fruchtblase gespiegelt(alles war komplett zugerammelt!) was mit erheblichen Schmerzen verbunden war und mein Bauch wurde abgetastet(mit der anschließenden Bemerkung, dass es ein kleines Baby wäre). Anschließend durfte ich wieder ins Zimmer. Am Abend sollte ich mir im Schwesternzimmer dann Rizinus abholen, um die Geburt einzuleiten(aber bitte eigenen Löffel mitbringen und etwas zum Nachtrinken ;-) Und falls nichts passiert, würden sie am nächsten Tag einen Ultraschall machen.
Nach dem so "leckeren" Nachtisch legte ich mich zurück ins bett und wartete...die anderen "Bald-Mamas" im Zimmer warteten mit ;-) Und irgendwann kam dann "Bewegung" in die Sache und ich musste zur Toilette.
So gegen Mitternacht hatte ich dann das Gefühl, dass das, was da im Bauch passierte, wohl Wehen sein könnten und ging zur Entbindungsstation. Die beiden Hebammen waren sehr erfreut, denn offensichtlich war keine weitere Frau oben. Nach einer kurzen Untersuchung, bei der mir die Fruchtblase sprang(eigentlich war es eher ein Tröpfeln) musste ich die weitere Zeit im Bett verbringen. Die Zeit zog sich wie Pudding. Ich wurde an einen Wehenschreiber angeschlossen(die Sonde ging direkt ans Köpfchen des Babys und ich bekam einen Blasenkatheder. So lag ich da und veratmete eine um die andere Wehe...irgendwann am Morgen war dann Schichtwechsel und ein neues "Team" übernahm(ein Lehrling, die die ganze Zeit nur am Putzen war- wenigstens waren ihre Hände kalt, wenn sie sie mir auf den Körper legte) und ein "Drachen"( jedenfalls kam sie mir so vor, denn sie war die ganze Zeit nur am Meckern...)

So langsam kam ich mir auch wie ein "Lehrobjekt" vor

Der "Drache" fragte den Lehrling, wie ich es "Mache", der Lehrling sagte "gut", der Drache war anderer Meinung...und wenn ich so atmete wie der Drache es wollte, wurde mir regelmäßig schwummerig ;-) Dann die obligatorische "Messung" des Muttermundes. "Lehrling" maß, sagte an, "Drache" überprüfte, war anderer Meinung, "Lehrling" maß wieder und korrigierte ihre erste Antwort...Irgendwie tat sie mir ein wenig leid...ich mir aber auch, denn es wollte alles nicht vorwärts gehen. Wie auch, in der Position, die ich seit Stunden einnahm :-(
Gegen 11:00 ging es dann dem Baby nicht mehr gut und sie bekamen Panik...nun musste alles schnell gehen , ich wurde auf ein Rollbett "verfrachtet" mit eine Decke bedeckt und in den Fahrstuhl geschoben. Dann ging es im Dauerlauf über den gepflasterten Hof. Na "Holla-die-Waldfee" , das kann ja was werden wenn ich wieder zurück geschoben werde nach dem Kaiserschnitt.
Die Vorbereitungen zum KS gingen dann recht flott: Bauch desinfiziert, Gummimaske auf die Nase und tief eingeatmet...habe noch erwartet, dass ich rückwärts zählen soll, aber da war ich schon im Land der Träume.
Aufgewacht war bin ich dann auf dem Flur und wurde mit den Worten begrüßt:"Ach, sie sind ja schon wach...herzlichen Glückwunsch, die haben einen kleinen Jungen." Dann muss ich wohl wieder weg gedämmert sein, denn als ich wieder wach war, lag ich in meinem Bett auf dem Zimmer und eine Schwester umwickelte gerade meine Beine.

Was nun kam, glich einem Alptraum...

Ich teilte mir das Zimmer mir einer sehr netten jungen Mama. Als man ihr ihr Baby brachte, hoffte ich nun auch endlich, meinen kleinen Jungen in die Arme nehmen zu können. Aber nichts geschah. Gut dachte ich, vielleicht soll ich mich noch etwas ausruhen und sie bringen ihn mir später. ich hatte starke Schmerzen, konnte mich kaum bewegen und mein hals tat weh. Nicht auch noch das, aber die Schwester beruhigte mich, das käme vom Tubus während der OP. Am Nachmittag kam dann endlich jemand, eine Ärztin der Kinderklinik. Sie erklärte mir, dass mein Sohn zu früh geboren worden sei("hab ich mir doch immer gedacht, dass das mit dem Termin nicht so ganz stimmte), er wäre 2 Wochen zu früh( HALLO???2 Wochen-das ist heutzutage gar kein Problem!) Aber er hätte sich die Nabelschnur mehrfach um den Hals geschlungen und nur ein Gewicht von 2370 g(das ist wirklich recht wenig für ein "zum Termin" geborenes Baby). Nun muss er auf der Kinder-Intensiv-Station beobachtet werden. Das Problem: diese Station befand sich in einem anderen Krankenhaus...man würde mir ein Foto schicken und mich jeden Tag informieren: WAS NICHT GESCHAH!
Nach etwa 3 Tagen, als es mir etwas besser ging und auch das Aufstehen klappte, wurde ich in ein anderes Zimmer verlegt. Dieses brauche man für Frauen mit Kaiserschnitt, da es die einzigen 4 Betten mit  leicht verstellbaren Kopfteilen waren. Die anderen Betten funktionierten mechanisch: aufstehen, Kopfteil per Hand verstellen, hinlegen :-( Im neuen Zimmer lag ich dann mit weiteren 5 Frauen, die alle 4 Stunden ihre Babys zum Stillen gebracht bekamen. Ich bekam statt dessen eine Milchpumpe. Damals war roomin-in noch nicht modern ;-) Von Tag zu Tag nahm auch meine Milchmenge ab, was natürlich bemerkt und bemängelt wurde...aber he...man hat mir gesagt, dass ich Mutter bin, ich hatte eine riesige schmerzende Narbe mitten auf dem Bauch...gesehen hatte ich meinen Sohn aber immer noch nicht...ich hätte schon etwas Trost und Zuspruch vertragen können(noch heute, 25 Jahre später rollen mir die Tränen über die Wangen während ich das nieder schreibe). Ein Foto meines Kleinen hatte ich bis Dato immer noch nicht gesehen.
Mein gesamter Krankenhausaufenthalt dauerte 10 Tage. dann wurde ich entlassen und konnte endlich meinen Sohn sehen. Weitere 5 Monate später wurde auch er aus dem KH entlassen. Ihr lest richtig, 5 Monate. Es war der 8.8.1990, da bekamen wir ihn das erste mal über das Wochenende nach Hause. Bis dahin wurde er auch in ein anderes Krankenhaus verlegt operiert...aber das ist eine andere Geschichte.

Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr beunruhigt. Das ganze ich ein viertel Jahrhundert her. Ich habe Jahre gebraucht, um damit abzuschließen. Ganz verarbeitet habe ich es noch nicht, das wird noch weitere 25 Jahre brauchen...Und ihr wisst, jede Geburt ist anders und meine 2. war besser :-) Zwar auch ein KS, aber ich war wach und durfte meine Tochter hören, sehen, anfassen und riechen. Das hat mir beim ersten mal gefehlt. Sicher, es musste alles ganz fix gehen, ABER man hätte schon noch ein paar Minuten warten können, das Baby in die andere Klinik zu fahren...nur so lange bis ich wach war und ihn sehen konnte, denn Lebensgefahr hat nie bestanden.

Herzlichst eure
Annerose